Tanja
Rauschtenberger
Zur
Kunst
Bewegtes
Leben - sinnlich schlichter
Reichtum
Die
Diplomdesignerin und seit 1994
freischaffende Aachener Künstlerin Tanja Rauschtenberger hat
sich
im Laufe ihrer Ausbildung auch mit Textilgestaltung intensiver
auseinandergesetzt, was zunächst an einigen ihrer
ausgestellten
Werke auffällt.
Thematisch eint die Arbeiten das Thema
Natur, speziell die Tiefsee.
Dieser besondere Blick auf die Natur im und am Wasser, die die
Künstlerin schon länger beschäftigt,
hängt auch mit
ihrer Erfahrung als Taucherin zusammen. Das Besondere beim Tauchen ist,
dass dort unten in einem Bereich bis ca. 10 Meter Tiefe, wo durch das
Restlicht noch alles gut sichtbar ist, langsam ganz andere
Farbstimmungen entstehen. Man gewahrt dort genauso Landschaften,
verändert dadurch, dass das Leben und das Sehen in einer etwa
10%igen Vergrößerung stattfindet.
Der Meeresgrund bietet
Hügellandschaften, Korallengebirge,
steile
Wände, an denen sich Pflanzen, Anemonen und Fische bewegen. Es
ist
auch strömungsbedingt sehr viel tentakeliges unterwegs, seien
es
nun Tintenfische, Kraken, sei es Unterwassergras. So wie ein
Ährenfeld im Wind erscheint alles bewegt, aber unter Wasser
ist
das ganze Medium bewegt, in dem man das erlebt. Da werden Pflanzen und
Tier in ganz andere wallende Bewegungen gebracht, bietet sich eine ganz
andere Farbigkeit, Farbatmosphäre und Formwelt.
Zivilisationsspuren, Unrat und Veränderungen im
ökologischen
System, die hier viel unbemerkter und drastischer ablaufen, bringen
diese gerade erst in Entdeckung befindliche Welt zum Verschwinden, eine
Welt die eben beeindruckend und schön, wie
schützenswert ist.
Dieser Aspekt einer bedrohten Welt, die
durch Abbau von
Bodenschätzen und Überfischung mit immer
kleinmaschigeren
Netzen bedroht ist, weil Nahrungsquellen und Nahrungskonkurrenten des
Menschen auch immer kleiner werden, führt dazu, dass auch im
Werk
von Tanja Rauschtenberger dieser Gedanke als kleine Mahnung immer
mitgedacht ist.
In der Bearbeitung
dieser Thematik
beschränkt sich Tanja Rauschtenberger nicht auf ein Medium.
Sie
finden frühe Studien anläßlich eines
Aquariumsbesuchs,
Farbfotografie, Malerei in Acryl/Öl und textile
Formkörper.
Alle loten sie das charakteristische dieser Tierwelt aus, machen etwa
den Unterschied zwischen Tintenfisch- und Krakenaugen deutlich,
reduzieren mit einer Vorliebe für Rosa/Rotwerte die wolkenlose
Ferne der Unterwasserwelt auf kaum tiefendimensionale Schichtungen.
In dieser der Stilisierung nahe
kommenden Vereinfachung auch der
Körperumrisse wirkt das grafische und signethafte nach und
führt zu einer zeichenhaft verkürzten Erfassung des
als
Wesentlich erachteten. Im Foto eines felsgelagerten Tintenfisches und
seiner seltsam abstoßend-neugierweckenden Gestalt offenbaren
sich
auch chamäleonhafte Aspekte, da dieses
Kopffüßler-Tier
die Fähigkeit hat, sich in Form und Farbe an den Untergund
anzupassen. Im Blick der Künstlerin, die sich um Form und
Farbe
Gedanken macht, ergibt sich auch die Frage, wie eigentlich der
Normalzustand dieses Tieres aussieht, die Standardform. Wie kann man
das herausbekommen? Auch davon handeln diese Werke und Objekte. Mit der
Veränderung der Lichtatmosphäre in tieferen
Gründen hat
man diesen ins bläuliche verschwimmenden Eindruck und eine
vage
verschwimmende Oberflächenzeichnung.
Die Tendenz zur Vereinfachung und der
Erfassung der stetig bewegten,
selten treibenden und verharrenden Gestalten im Wasser führte
die
Künstlerin zu seriellen Bildern und Objekten, wie den Fischen,
die
als Schwärme erscheinen, in ungewöhnlich vertikal
keilender
Verdichtung oder in an den Raum anpassbarer Aufstellung mit haptisch
bewußt ausgewählter Stoff- und
Oberflächenqualität, die Fühlerfahrungen
weitergibt.
Auch Tanja
Rauschtenberger
schwärmt in unterschiedlichen Medien sinnlich aus, um die
faszinierend flukturierende Kraft dieser Wasserwelt zu vermitteln: mehr
Formenreichtum und stille Weite als abenteuerlich brenzlige Situationen
oder bunte Farbwelten. Ein weites Feld und unbearbeitetes Terrain
für ganz neue Landschaftsbilder und Formvorbilder zwischen
Geschmeidigkeit und Bizarrerie.
Text: Dr. Dirk
Tölke, Kunsthistoriker, Oktober 2009
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Fluss
des
Lebens
In ihrer
künstlerischen Arbeit
thematisiert Tanja Rauschtenberger den
"Fluss des Lebens" (Entstehung, Entwicklung, Vergehen).
Es geht ihr dabei insbesondere um die Vielfalt der Natur,ihrer
Erhaltung und Wertschätzung wobei sie den Meerestieren
besondere
Beachtung schenkt.
Die Gemälde der Künstlerin entstehen auf klassische
Art, auf
Leinwand und Tuch,
während sie für ihre Objekte Gegenstände des
Alltags und
der Natur wählt.
Tanja Rauschtenbergers Arbeit ist
vielschichtig, sie zeigt sowohl die
Funktionen
erinnert an den Reichtum der Natur, kritisiert ihre ungehinderte und
ungesteuerte Ausbeutung, sie birgt aber zugleich die Hoffnung
für
Positives.
(Auszug aus dem Katalog Land Art Festival,
Monschau 2008)
Text:
Dr. Silke Röckelein, Kunsthistorikerin
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Zur
Kunst
Der Bezug
zur Natur ist ein
grundlegender Aspekt der künstlerischen Arbeit von Tanja
Rauschtenberger. Formationen aus der Botanik wie Strukturen von
Früchten und Blättern sind ebenso Bestandteil ihres
Werkes
wie Tiere und Pflanzen der Unterwasserwelt.
In ihrer
aktuellen Arbeit befasst
sich Tanja Rauschtenberger mit Seetieren Korallen, Seescheiden,
Tintenfischen und anderen Kopffüßlern - welche die
Künstlerin in ihrem natürlichen Lebensumfeld
darstellt. Als
passionierte Taucherin erlebt sie die Unterwasserwelt der Meerestiere
unmittelbar. Die Faszination des Meeres, die Sehnsucht, das Meer in
seiner Tiefe zu ergründen, übt seit jeher eine
große
Anziehung auf die Künstlerin aus. Bei ihren
Tauchgängen
erfährt sie die grenzenlose Freiheit der Unterwasserwelt als
ein
Universum, das in seiner Beschaffenheit ganz anderen
Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist als das Land.
In dieser
zauberhaften Welt tut
sich eine fantastische Farbenvielfalt auf, Spiegelungen des Lichtes auf
der Wasseroberfläche und eine bizarre Welt des maritimen
Lebens
werden offenbar.
Mit
Ehrfurcht und Respekt begegnet
und erforscht die Künstlerin den Schatz des maritimen Lebens.
Diese Welt zu erhalten und vor Zerstörung zu schützen
ist
Tanja Rauschtenberger ein besonderes Anliegen. Die kritische
Auseinadersetzung mit der Zerstörung und dem Verfall dieses
Systems und seiner Ressourcen ist für ihr
künstlerisches
Schaffen ebenso von Bedeutung wie die Darstellung der sensiblen
Schönheit dieses Gefüges.
Tanja
Rauschtenberger möchte
mit ihrer Arbeit etwas bewegen indem sie den Betrachter für
die
Bedrohung der Unterwasserwelt und das notwendige Engagement zum Schutz
dieses Lebensraumes sensibilisiert. Es gilt umzudenken und den Umgang
mit dem Meer als Geburtsstätte allen Lebens zu
ändern. Mit
Wasser verbindet Tanja Rauschtenberger Kraft und den Ursprung alles
Lebens, zugleich ist Wasser für sie Inspiration und Quelle
ihrer
schöpferischen Tätigkeit.
In ihrem
Werk setzt Tanja
Rauschtenberger ihre Affinität und intensive
Auseinandersetzung
mit der Unterwasserwelt auf unterschiedliche Weise um. Ihre
künstlerische Arbeit umfasst Malerei, Textilkunst, Collagen
sowie
Installationen. Die Künstlerin arbeitet intuitiv mit einem
sicheren Farbempfinden und Sinn für Ästhetik. Manche
Darstellungen sind realitätsnah, andere abstrahiert und auf
Grundformen reduziert. Ihre Arbeiten vermögen die Stimmung und
Atmosphäre der Unterwasserwelt einzufangen und dem Betrachter
zu
vermitteln. Jedoch zeigt die Künstlerin nicht nur die
schönen
Seiten dieses Kosmos auf, sondern thematisiert auch die problematischen
Aspekte einer Bedrohung der Artenvielfalt und Organismen wie
beispielsweise den Zerfall und das Absterben der Korallenriffs.
Text: Nadya
Bascha, Kunsthistorikerin M. A.
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Naturraum Wasser
Das Interesse für Natur hängt bei Tanja Rauschtenberger im
wesentlichen mit dem Wasser zusammen, mit den Bewegungen des Wassers
oder unter Wasser - von
der Quelle bis zum Ozean. Die größeren Bildtafeln sind
Abstrahierungen von Unterwasserlandschaften in zartgedämpften
Farben. Als Taucherin ist ihr das Phänomen geläufig, dass das
Medium Wasser im
Unterschied zu Luft dazu führt, dass der Blick wie durch eine
Vergrößerungslinse hindurch geweitet wird und panoramaartige
Züge annimmt. Was die Künstlerin interessiert, sind die durch
Strömungen
und Unterwasserflussläufe erzeugten Strukturen bislang so kaum
gesehener Landschaften, dargestellt als schematisierte
Flächigkeit. Verbunden wird diese Neugier auf den Lebensraum
Wasser mit einem Interesse an Fischen
und den mit Ihnen verbundenen Mythen. Da gibt es einmal den Wels, der
in Japan als eine Art Erdbebenanzeiger gilt, weil er schon geringe
elektromagnetische Spannungsveränderungen im Vorfeld bemerkt und
dann an die Oberfläche
schwimmt.
Das zweite Beispiel ist der fliegende Fisch, der
1,5m weit und bis zu 5m hoch springen kann und so seinen Feinden
außerhalb des Wassers zu entkommen vermag.
In diesem thematischen Umfeld hat das Thema Blau eine große
Bedeutung und so kommt auch im Stapel großer quadratischer blauer
Kissen das "Blaukissen" als Titel zur Sprache. Das "Blaukissen",
dass als Steingartenpflanze in südlichen Ländern sehr beliebt
ist. Assoziation und Analogie sind also das Rüstzeug, dass die
Themenwahl der Künstlerin prägt. So kommt es auch wiederum zu
einem Wortspiel,
das figürlich umgesetzt wird bei einer Gruppe Gipsspatfiguren mit
stilisierten Fischköpfen, die unter dem Titel "der Fisch stinkt
vom Kopf her" auf Managementstrukturen großer Betriebe und
Beamtenapparate
etwa Bezug nimmt, in denen die Chefetage durch Fehlentscheidungen
Schaden hervorruft.
Das ist zur Redewendung geworden, weil das Hirn der
vergänglichste Teil eines Fisches ist und am schnellsten
geruchsintensiv verdirbt. Schließlich ist
auch noch die nahe Maas als fischgeprägte Flussregion in kleinen
Leinwänden präsent, über die Kordeln wie Gitarrenseiten
bzw. Wellen gespannt sind, unter denen aus Stoff genähte
zeichenhafte Fische
schwimmen, von Weißhöhungen wie von Flussschlick
überzogen - wie Ware die der Fluss im Gepäck mit sich
führt. Mitunter hat man den Eindruck die Fischsignets könnten
auch Kartensymbole einer Unterwasserlandschaft
sein, Zeichen eines sehr distanziert gewordenen Verhältnisses zum
Naturraum Wasser, das als Stoff zu den unverzichtbarsten Lebensmitteln
der Erde gehört.
Text: Dr. Dirk Tölke, Kunsthistoriker, 2011
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